Psychotraumatologie aus erster Hand

Prof. Dr. med. Günter H. Seidler

Selbsterfahrung

Das ganze Leben ist Selbsterfahrung. 

Darüber hinaus wird für einige Weiterbildungsgänge in Psychiatrie und Psychotherapie für Ärzte und Psychologen eine Selbsterfahrung mit bestimmten psychotherapeutischen Methoden gefordert. Häufig gibt es dazu von den Instituten, an denen eine Weiterbildung durchlaufen wird, Listen mit zertifizierten Selbsterfahrungsleitern. Da ich mit mehreren Instituten zusammenarbeite, stehe ich auf zahlreichen Listen. Mitunter kann der Selbsterfahrungsleiter aber auch frei gewählt werden; gelegentlich ist dann dessen nachträgliche Zertifizierung durch das Institut notwendig, an dem die Weiterbildung durchlaufen wird. Die Landespsychotherapeutenkammer Baden-Württemberg hat mich als Selbsterfahrungsleiter zertifiziert, und zwar sowohl für das Einzel- wie auch für das Gruppensetting. In der Durchführung von Einzelselbsterfahrung bin ich in Psychoanalyse, EMDR und psychodynamischer Therapie qualifiziert und zertifiziert. Approbierte Kolleginnen und Kollegen aus Medizin und Psychologie können für ihre Teilnahme Fortbildungspunkte erhalten.

Es gibt verschiedene Begründungen für die Notwendigkeit von Selbsterfahrungen mit bestimmten Therapiemethoden. Genannt sei die Forderung, dass ein Therapeut oder eine Therapeutin mit sich selbst vertraut sein sollte und sich insoweit selber kennen sollte, um nicht eigene Probleme vermeintlich beim Patienten oder der Patientin zu sehen. Ebenso wichtig ist aber auch, dass die therapeutische Seite eine Kenntnis davon haben sollte, wie sich die Anwendung einer bestimmten Therapiemethode „anfühlt“, wie sie wirkt, im angenehmen oder auch belastenden Bereich. Die Mindestdauer einer Selbsterfahrung wird gelegentlich von dem Institut vorgegeben, an dem eine Ausbildung durchlaufen wird, mitunter aber auch von demjenigen festgelegt, der eine Selbsterfahrung sucht. 

Seit ca. 25 Jahren biete ich die Möglichkeit zu Einzelselbsterfahrungen in Psychoanalyse und psychodynamischer Therapie an, seit ungefähr 10 Jahren auch in EMDR.

Seit 1993 bin ich mit der Durchführung von Gruppenlehranalysen durch die damalige Fachgesellschaft, den „Deutschen Arbeitskreis für Gruppenpsychotherapie und Gruppendynamik, Sektion Analytische Gruppenpsychotherapie (DAGG)“ beauftragt, seit 1999 liegt eine Ermächtigung zur Durchführung von Gruppenlehranalysen vor. 2012 wurde diese Ermächtigung durch die Nachfolge-Fachgesellschaft „Deutsche Gesellschaft für Gruppenanalyse und Gruppenpsychotherapie (D3G)“ aktualisiert.

Mein besonderes Interesse gilt dabei der „Psychoanalytisch-interaktionellen Methode“. Sie wurde von dem Ehepaar Heigl-Evers und Heigl mit Mitarbeitern seit Mitte der sechziger Jahre in Tiefenbrunn und in Göttingen entwickelt und ist klinisch von besonderer Wichtigkeit. Sie ist nämlich besonders gut geeignet zur Behandlung von Patienten und Patientinnen mit strukturellen Defiziten. Bei der Häufigkeit derartiger Patientinnen und Patienten sowie angesichts deren Schwer-Behandelbarkeit sollten sowohl niedergelassene Kollegen und Kolleginnen wie auch die, die in Kliniken arbeiten, mit dieser Methode vertraut sein. Deshalb bevorzuge ich auch in Selbsterfahrungsgruppen Interventionen, die für diese Methode typisch sind. 

Eine Teilnahme an meinen Selbsterfahrungsgruppen ist möglich für alle Kolleginnen und Kollegen, die im Rahmen ihrer beruflichen Fortbildung einen Nachweis über Gruppenselbsterfahrung erbringen müssen, oder die eine derartige Erfahrung aus anderen Gründen suchen. Die Gruppensitzungen finden blockweise statt, jeweils Freitagnachmittag /Samstagvormittag mit insgesamt 5 Sitzungen à 100 Minuten.

 

Coaching

Mitunter gerät ein Leben in eine Sackgasse. Jemand weiß dann nicht mehr weiter. Eine derartige Ausweglosigkeit kann in beruflicher Hinsicht bestehen, aber auch in privater. Sie kann sich auch ausschließlich im Erleben der betroffenen Person abspielen.

Eine (Auf-)Lösung derartiger Problemverdichtungen kann prinzipiell nur aus der betroffenen Person selber kommen. Allerdings ist häufig der Zugang zu den benötigten und im Prinzip vorhandenen eigenen Kraftquellen verschüttet. Das kann mit traumatischen Erfahrungen zusammenhängen, das kann sich aber auch aus Merkmalen von Persönlichkeitszügen ergeben. Hier kann jemand mit einer fundierten Ausbildung behilflich sein, den Zugang zu den eigenen Ressourcen der betroffenen Person wieder frei zu schaufeln. 

Der Schwerpunkt meiner Coaching-Tätigkeit liegt in den Bereichen Lebenskrisen, Trennungsverarbeitung, Trauer, traumatische Trauer und anderen traumatischen Erfahrungen sowie Umgang mit mobbing-Erfahrungen.

 

Eine Coaching-Sitzung dauert zwischen 30 und 90 Minuten. Selten sind mehr als 10 Sitzungen notwendig. Das Honorar für ein Vorgespräch wird bei der Terminverabredung vereinbart, das Honorar für nachfolgende Sitzungen im Vorgespräch.

 

 

Weiter- und Fortbildung

International tätige Firmen mit einem Entführungsrisiko für ihre Mitarbeiter, Journalisten, Einrichtungen von Polizei, Feuerwehr und Technischem Hilfsdienst, aber auch Kliniken, die eine „Traumastation“ neu eröffnen wollen, haben gelegentlich Bedarf an Informationen aus dem Feld der Psychotraumatologie. Aktuell wird in der Öffentlichkeit ein Mangel an Kenntnissen bei Betreuern von Migranten und Flüchtlingen registriert. 

Für die Anzahl der Teilnehmer in derartigen Weiterbildungsveranstaltungen gibt es keine Obergrenze. Der Umfang einer solchen Veranstaltung hängt vom Interesse des Auftraggebers ab; er schwankt von einer zweistündigen Vorlesung bis zu mehrtägigen Seminaren, wobei dann auch praktische Kompetenzen im Umgang mit primär Betroffenen vermittelt werden.